
Dicke Beine oder Lipödem? Ursachen, Symptome, Behandlung
Schmerzende, geschwollene Beine, die Haut juckt, jede Aktivität strengt an. So gefallen Sie sich nicht! Und fragen sich: Habe ich einfach nur dicke Beine – oder steckt etwas Ernsteres dahinter? Ein Lipödem, auch Reiterhosen genannt, ist mehr als nur ein ästhetisches Problem, sondern geht zulasten von Lebensqualität und Selbstbewusstsein. Zeit, Klarheit zu bekommen – und mehr über mögliche Ursachen, Lipödem Symptome und Therapieoptionen zu erfahren!
Das Wichtigste zum Thema Lipödem oder nur dicke Beine im Überblick:
- Lipödem oder nur dicke Beine?
Ein Lipödem ist mehr als eine ästhetische Fettverteilungsstörung – es verursacht Schmerzen, Druckempfindlichkeit und eine Neigung zu Blutergüssen. Im Gegensatz zu Übergewicht treten die Schwellungen symmetrisch an Beinen und manchmal Armen auf, die Füße bleiben typischerweise ausgespart. - Unterschätzte Erkrankung mit Diagnosehürden:
Lipödem wird oft erst spät erkannt, weil es mit Adipositas verwechselt wird. Eine korrekte Diagnose erfordert eine ärztliche Untersuchung, bei der typische Symptome und bildgebende Verfahren wie Ultraschall berücksichtigt werden. - Individuelle Behandlungsmöglichkeiten:
Konservative Therapien wie Lymphdrainage, Kompressionsstrümpfe und Bewegung können Beschwerden lindern. Eine Liposuktion (Fettabsaugung) kann langfristige Erleichterung bringen, wird aber nicht immer von der Krankenkasse übernommen.
Was ist ein Lipödem?
Ein Lipödem – erstmals 1940 durch die Mediziner Allan und Hines beschrieben – ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung und Fettverteilungsstörung mit vermehrter Wassereinlagerung in den betroffenen Körperzonen, die überwiegend Frauen betrifft. Betroffene leiden unter Spannungs- und Druckschmerzen – Zeichen, dass es um mehr geht als
nur dicke Beine. Konsequente konservative Therapie wie Lymphdrainage, Kompression und Bewegungstherapie, aber auch Liposuktion (Fettabsaugung) kann die Beschwerden spürbar lindern. Wie zeigt sich ein Lipödem? Irgendwie wollen die Proportionen nicht mehr passen: Unterhaut-Fettgewebe verteilt sich dysproportional und ungleichmäßig, aber symmetrisch – vor allem an Hüften, Ober- und Unterschenkel und Knie, aber spart die Füße aus. Ein Lipödem kann auch kombiniert mit Adipositas auftreten, aber Fettleibigkeit allein löst die Erkrankung nicht aus. Studien belegen, dass beim ersten (Haus-)Arztkontakt selten die korrekte Diagnose gestellt wird. So werden spezifische Behandlungsmethoden oft erst Jahre verzögert eingeleitet.

Dicke Beine oder Lipödem? Die Symptome
Woher kommen nur diese Schmerzen? Die Haut reagiert schon auf leichte Berührungen sensibel – und Wassereinlagerungen (Ödeme) drücken auf das umliegende Gewebe der Extremitäten. Jedoch wird vermutet, dass diese Schmerzen nicht allein durch mechanisches Zusammenpressen der Nervenfasern durch Fettmasse und Gewebsödem verursacht werden. Gleichzeitig schränkt das Schweregefühl in den Beinen die Mobilität ein. Patientinnen berichten, dass sie ihr Lipödem besonders gegen Abend und an warmen Tagen als belastend empfinden. Damit nicht genug, spannt die Haut auch noch – und schon ein leichter Stoß sorgt oft für hartnäckige Blutergüsse.
Lipödem Symptome in Kürze:
- Schmerzen, Druckempfindlichkeit
- schwere Beine
- Schwellung symmetrisch, rechts wie links
- Füße und Hände nicht/kaum betroffen
- blaue Flecken (Hämatome) auf geringen Druck
- sichtbare Knötchenbildung der Haut
Wann manifestiert sich ein Lipödem? Häufig in Phasen hormoneller Umstellung wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause.
Warum habe ich dicke Beine? Ursachen und Gründe
Lipödem Beine sind geschwollene Beine. Denn Gefäße, Venen und Lymphsystem sind hier beeinträchtigt. Ob Sie einfach nur dicke Beine oder ein Lipödem haben, kann nur eine gründliche Untersuchung abklären. Wobei die Suche nach den Gründen fragt: Leiden Sie eventuell unter
- Durchblutungsstörungen
- Herzerkrankungen
- Nieren- und/oder Leberproblemen
- Diabetes
- Essstörungen
- Störungen des Hormonhaushalts?
Sehen Sie sich auch in der Verwandtschaft um: Vielleicht besteht eine Prädisposition (erbliche Vorbelastung) für ein Lipödem? Allerdings sind die Lipödem Ursachen erst teilweise erforscht. So werden u. a. Störungen der lymphatischen Mikrozirkulation, Probleme des Lymphsystems, angenommen. Als Grund für die gesteigerte Schmerzwahrnehmung beim Lipödem wird eine inflammatorisch (entzündungsbezogene) Fehlregulation sensorischer Nervenfasern vermutet. Ein spezifischer Biomarker – ein im Körper bestimmtes Merkmal, das eindeutig auf eine Krankheit hinweist – fehlt derzeit noch. Was es gibt, sind jedoch praktikable Leitlinien wie die Leitlinie Lipödem S2k der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V., mit Empfehlungen zu Diagnostik- und Therapieverfahren.
Lipödem Diagnose stellen: Das gehört dazu
Sind es einfach Fettansammlungen an den Beine oder ein Lipödem? Das heterogene Erscheinungsbild kann die Lipödem Diagnose zur Herausforderung machen. Es gilt, andere Ursachen für Schwellungen und Schmerzen auszuschließen. Ihr Arzt wird die betreffenden Regionen gründlich abtasten: Sind Knötchen zu spüren? Wie reagiert das Gewebe auf Druck? Darüber hinaus können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Lymphszintigraphie, Computertomografie und Magnetresonanztomografie Aufschluss geben. Eine Blutentnahme hilft, Probleme wie Nieren- und Leberfunktionsstörungen, hormonelle Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes laborchemisch auszuschließen.
Lipödem Therapie – was hilft?
Gehören auch Sie zu den Frauen mit hartnäckigen, schmerzhaften Fettansammlungen? Reine Gewichtsabnahme allein genügt selten, um ein Lipödem zu beheben. Jede erfolgreiche Therapie beginnt mit der richtigen fachärztlichen Diagnose. Doch welche Behandlungsmethoden gibt es?
Konservative Methoden: Lymphdrainage, Kompressionstherapie
Endlich weniger Schmerzen, weniger schwere Beine – darum geht es bei konservativer Therapie. Die Wahl der Behandlungsmethode erfolgt in Absprache mit dem Arzt, abgestellt auf Ihre Bedürfnisse und Ihren Gesundheitszustand. Kompressionsstrümpfe können die Blutzirkulation verbessern und Schwellungen reduzieren. Und weil Druck durch langes Stehen und Sitzen Gift für jedes Bein ist, aktiviert regelmäßige Bewegung Muskeln und Venenpumpe, damit Flüssigkeitsansammlungen zurückgehen. Bei besonders schwerem Lipödem kommt komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) zum Einsatz. Zur KPE gehören:
- Manuelle Lymphdrainage
- Kompressionskleidung wie Kompressionsstrümpfe
- Bewegungstherapie, Krankengymnastik
- Hautpflege, um Infektionen und Entzündungen vorzubeugen
- Entspannungsübungen zur Stressreduktion
- Übungen zur Selbstentstauung
Haben Sie schon versucht, hat nicht funktioniert? Bleiben die Schwellungen trotz konservativer Behandlung bestehen oder nehmen evtl. noch zu, sollten Sie über ein operatives Verfahren wie eine Liposuktion (Fettabsaugung) nachdenken.
Operative Verfahren: Liposuktion
Bei schwerem Lipödem kann eine Liposuktion langfristig Linderung verschaffen, denn sie entfernt überschüssiges Fettgewebe. Aber auch dann, wenn Sie kein Lipödem haben und sich neue Beweglichkeit wünschen – Ernährungsumstellung nicht vergessen! Je nach Umfang dauert eine solche – ambulant oder stationär durchgeführte – OP etwa zwei bis drei Stunden. Dank Vollnarkose oder Dämmerschlaf spüren Sie nichts von Ihrer Liposuktion. Nach ca. sechs bis zwölf Tagen kommen Sie erneut in Praxis oder Klinik zum Fädenziehen. „Schon gute zwei Wochen später war ich zurück im Alltag, konnte alles tun, bei verbesserter Mobilität,“ berichten Patientinnen. Mit dem Sport sollten Sie allerdings nach der OP noch vier bis sechs Wochen warten.
Welche Erfolge verspricht Lipsuktion?
Anwendungsbeobachtungen im Nachuntersuchungszeitraum von bis zu acht Jahren belegen signifikante Symptomlinderungen, sowohl bei subjektiven Kriterien wie Schmerzwahrnehmung, Spannungsgefühl oder Hämatomneigung als auch objektiv messbaren Parametern wie Beinumfang. Außerdem zeigte sich, dass Patientinnen nach operativer Intervention durch Liposuktion weniger konservative Therapie benötigten. Und die Komplikationsraten? Waren gering – ob Blutungskomplikation, Wundinfektion oder Blutergüsse in den ersten Wochen. Aber bleiben Narben zurück? Bei der OP sind kleine Schnitte für die Kanülen nötig, aber die Narben meist unauffällig.

Liposuktion bei Lipödem: Wer trägt die Kosten?
Selbsthilfe-Organisationen beklagen eine Unterversorgung ihres Patientenklientel. Während die Krankenkassen die Kosten für konservative Therapien – nicht zuletzt am Body Mass Index (BMI) orientiert – ganz oder teilweise übernehmen, gilt dies für die Lipödem Behandlung per Liposuktion meistens nur bei hohem Lipödem-Schweregrad. Mehr zum Thema Kostenübernahme einer Liposuktion bei einem Lipödem durch die Krankenkassen in unserem Blog! Nicht zu vergessen, dass jede Fettabsaugung eine Operation wie jede andere ist – und entsprechend kostenintensiv. Seriös durchgeführt, gehören dazu Beratung, Narkose, OP, Klinikaufenthalt sowie Nachsorge. Aber auch Patientenedukation ist Teil der guter Lipödem Behandlung. Als Patientin sind Sie dort gut aufgehoben, wo man Sie umfassend über Erkrankung und Therapieformen aufklärt. Und dabei einbezieht, wie Sie selbst aktiv Einfluss auf Ihre Krankheit nehmen und auch psychisch mit dem Lipödem umgehen können.
FAQs zum Thema Lipödem oder dicke Beine
Gründe für Wasser in den Beinen (Ödeme) können Erkrankungen wie Herzschwäche, Nierenprobleme, Störungen des Lymphsystems sein.
Gehen Sie zum Facharzt, um die Ursache abklären zu lassen. Ggf. sorgt konservative Behandlung (Kompressionsstrümpfe etc.) für Linderung. Im schwereren Fall kann ein operatives Verfahren wie ein Liposuktion angeraten sein.
Lipödem Symptome sind Schmerzen, Neigung zu blauen Flecken und Druckempfindlichkeit. Die symmetrischen Schwellungen sparen meist die Füße aus. Die körperliche Untersuchung durch den Facharzt, ergänzt um bildgebende Verfahren wie z. B. Ultraschall, hilft andere Erkrankungen ausschließen.
Dicke Beine oder Lipödem? Informiert entscheiden
Noch mehr Infos zum Lipödem? Besuchen Sie unseren Lipödem Blog. Zur Erstinformation, denn eine ärztliche Beratung kann er nicht ersetzen. Wenn auch Sie unter schmerzhaften, dicken Beinen leiden, aber sich mehr Lebensqualität, weniger Schmerzen und ein Plus an Beweglichkeit wünschen, können Sie gleich hier Kontakt zu einem Facharzt bzw. Phlebologen in Ihrer Nähe aufnehmen – für eine persönliche, fundierte Erstberatung.
Quellen:
- Leitlinie Lipödem
S2k Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V.
register.awmf.org - Ärzteblatt, Lipödem – Pathogenese, Diagnostik und Behandlungsoptionen
www.aerzteblatt.de - Ärzteblatt, Petition Lipödem
www.aerzteblatt.de